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Von einem, der das Schießpulver nicht erfunden hat

Der schwarze Berthold, nach einem Kupferstich von 1584.
Der schwarze Berthold, nach einem Kupferstich von 1584.

Je nach Laune behauptet und bestreitet man, daß der Franziskaner-Mönch Berthold Schwarz, dessen Familienname vor dem Eintritt ins Kloster Konstantin Ancklitzen gelautet habe, der Erfinder des Schießpulvers ums Jahr 1354 gewesen sei.

Als ich die vorstehende Behauptung, die jeder wohl schon einmal, wenigstens bruchstückweise, gehört hat, vor Jahren kritisch untersuchte, blieb an ihr auch nicht ein wahres Wort. Ich sagte mir, daß die Kriegstechniker des Mittelalters diesen Mann am besten gekannt haben müssen, diesen Mann der durch seine Taten die ganze Kriegstechnik in neue Bahnen zu weisen vermochte. Und so fand ich denn in einer Reihe von Handschriften, deren älteste etwa bis zum Jahre 1420 zurückreichen, einen gewissen Bertholdus auch stets erwähnt. Ich kann deshalb folgendes über diesen Mann auf Grund jener alten Schriften sagen:

Ein deutscher Mönch im Kloster der Bernhardiner hieß Berthold der Schwarze. Er hatte studiert und sich mit der Alchemie beschäftigt. Bei einem seiner Experimente benutzte er die damals schon bekannte Schießpulvermischung. Es erfolgte zufällig eine gewaltige Explosion, und so kam Berthold zu einer Verbesserung der Mischung, deren Wesen von ihm bei weiteren Untersuchungen „ganz erneut gesucht und gefunden wurde.“ In Verbindung hiermit verbesserte er auch die Kunst aus Büchsen zu schießen. Das geschah im Jahre 1380. Der Berthold aber ist, „vonn wegen der kunst die er erfunden und erdacht hat, gerichtet worden vom leben zum todt im 1388. Jar.“

Diese Angaben lassen sich mit den übrigen geschichtlichen Tatsachen ganz gut in Einklang bringen. Eine so weltumgestaltende Erfindung, wie Geschütz und Schießpulver, konnte nicht von einem einzigen Mann ausgehen. Die einzelnen Erfinder sind überhaupt sehr rar, wenn man ihre Leistungen kritisch betrachtet. Fast immer stehen sie auf den breiten Schultern voraufgehender Männer. So auch dieser Bertholdus. Er faßte wohl die Technik des Schießpulvergeschützes aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen einheitlich zusammen, trat für diese Erfindung ein, machte sie in weiten Kreisen bekannt, wurde von seinen Gegnern der Zauberei angeklagt, verfolgt und hingerichtet. So wurde aus dem Märtyrer einer Idee im Volksmund ein Erfinder.

Daß der Bertholdus aus Freiburg im Breisgau stammt, wird erst im Jahre 1599 ganz zufällig und ohne Angabe irgendeines Grundes angenommen. Dort setzte man ihm ein Denkmal.

 

Anmerkung:

Schwarzpulver wurde ursprünglich im 9. Jahrhundert von chinesischen Alchemisten entdeckt. Sie experimentierten mit verschiedenen chemischen Substanzen, um ein Elixier des Lebens zu schaffen, und stießen dabei auf die explosive Mischung aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle. Diese Entdeckung revolutionierte später die Kriegsführung und Technologie weltweit.

 

In Europa wurde die Erfindung des Schwarzpulvers oft fälschlicherweise dem Franziskanermönch Berthold Schwarz zugeschrieben, der im 14. Jahrhundert lebte. Historiker sind sich jedoch einig, dass diese Zuschreibung eher eine Legende ist.

 

 

Quelle: F. M. Feldhaus, Modernste Kriegswaffen – alte Erfindungen. Leipzig, 1915.